Konfi-Tag "Gerechtigkeit": Junge Stimmen zur Fairness in der Welt

Was bedeutet Gerechtigkeit? Diese Frage stand im Mittelpunkt des gemeinsamen Konfi-Tags der Gemeinden St. Stephan, St. Matthäus und Erlöserkirche. Rund 100 Teilnehmende – 70 Konfirmand:innen und 30 Mitarbeitende sowie Referent:innen – widmeten sich diesem zentralen gesellschaftlichen Thema mit Neugier, Offenheit und kritischen Fragen.

Lebendige Diskussionen

Zwei Gläser mit Aufdruck "nein" und "ja", in dem Glas mit "ja" sind viele Steine, in dem mit "nein" wenige Steine. Auf einem Schild steht: "Gerechtigkeit heißt, sich für die Würde jedes Menschen einzusetzen
Bildrechte Anne Buckel

Der Tag begann mit einer interaktiven Abstimmung: Auf Plakaten standen provokante Fragen, die die Jugendlichen mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten konnten – und dann begründen mussten. Schnell wurde klar: Gerechtigkeit ist alles andere als einfach.

„Sind Geld und Lebensmittel gerecht in der Welt verteilt?“ – Ein eindeutiges „Nein“ aus den Mündern der Konfis. „Es gibt so viele Arme und Reiche, das ist nicht fair“, erklärte eine Teilnehmerin. Ein anderer merkte an: „Der Kongo ist eigentlich reich, aber die Menschen dort haben nichts davon.“ Doch eine Gegenstimme erinnerte daran, dass geografische Unterschiede auch eine Rolle spielen: „Manche Länder haben einfach mehr fruchtbares Land als andere.“ Aber ist es gerecht, dass die Chancen eines Menschen vom Geburtsort abhängen?

Nicht weniger engagiert wurde über Diversität diskutiert. „Ist es gerecht, geschlechtersensible Schreibweisen in Schulen zu verbieten?“ Eine klare Haltung: „Es sollte jeder selbst entscheiden können“, so eine Konfirmandin. „Respekt sollte nie verboten sein.“

Die Welt im Wandel – aber wohin?

Ein weiteres großes Thema: Hat sich die Welt in den vergangenen 2000 Jahren in Richtung Gerechtigkeit entwickelt? „Heute gibt es bei uns Frauenrechte, Wahlrecht und keine Sklaverei mehr – das ist ein Fortschritt“, sagte ein Jugendlicher. Doch eine andere Stimme widersprach: „Tiere und Umwelt sind auch bei uns immer noch nicht gerecht behandelt.“

Die Gespräche zeigten, dass sich die Jugendlichen sehr bewusst mit struktureller Ungleichheit, historischer Entwicklung und gesellschaftlichen Herausforderungen auseinandersetzten.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf Gerechtigkeit schauen

Landkarten auf denen Gummibärchen liegen
Bildrechte Anne Buckel

In verschiedenen Workshops trafen die Konfirmandinnen und Konfirmanden auf Fachleute, die sich beruflich mit Gerechtigkeit auseinandersetzen. Nino Nakhutsrishvili von Brot für die Welt erklärte, warum Reichtum oft nicht dort ankommt, wo er am dringendsten gebraucht wird. Christiane Soldner-Kopp und Klaus Muthmann von Amnesty International berichteten von Menschenrechtsverletzungen und der Notwendigkeit, sich aktiv für Gerechtigkeit einzusetzen. Mit Referent Alexander Kurz tauchten die Jugendlichen tiefer in die unterschiedlichen Dimensionen des Themas Diversität ein.

Eindrucksvoll war auch der Austausch mit Pfarrerin Miriam Groß von der Polizeiseelsorge und einem waschechten Polizeikommissar. „Gerechtigkeit heißt, sich für die Würde jedes Menschen einzusetzen“, lautete eine der zentralen Aussagen. Ein Konfirmand fasste es so zusammen: „Die Polizei soll nicht nur bestrafen, sondern helfen – das ist auch Gerechtigkeit.“ Auch die Gefängnisseelsorge regte zum Nachdenken an: „Die Freiheit ist nach dem Leben das höchste Gut“, stellte Pfarrer i.R. Johannes Wagner-Friedrich zur Diskussion. Ein Teilnehmer meinte: „Meine Familie ist mir wichtiger als meine eigene Freiheit.“

Beim Workshop des Vereins Freund statt Fremd e.V. mit Anna-Lena Schubert ging es um das Bamberger Projekt „Blaue Frieda“, um Integration und den Abbau von Vorurteilen. Hier wurde deutlich: Gerechtigkeit muss in einer demokratischen Gesellschaft für alle gelten, gerade für die, die am meisten Unterstützung brauchen, wie beispielsweise Menschen, die aus dem Krieg hierher geflohen sind.

Die Zukunft der Gerechtigkeit – eine Verantwortung für alle

Ein Polizeihelm liegt auf dem Boden, um ihn herum verschiedene beschriftete Zettel
Bildrechte Anne Buckel

Am Ende des Tages blieben viele offene Fragen und neue Erkenntnisse. Exemplarisch hierfür steht die Sammlung, in der die Jugendlichen im Workshop bei der Polizeiseelsorge festgehalten haben, was Gerechtigkeit für sie bedeutet: „Wenn alle Menschen gleiche Chancen haben.“ – „Wenn niemand über dem Gesetz steht.“ – „Wenn wir alle mit Respekt behandelt werden.“

Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: „Gerechtigkeit ist nicht selbstverständlich. Wir müssen jeden Tag dafür kämpfen.“ Der Konfi-Tag machte deutlich: Die Jugendlichen haben eine starke Stimme – und sie wollen sie nutzen.